Hintergrund und Zielsetzung aus der Leistungsbeschreibung des Umweltbundesamtes
Fachlicher Hintergrund / Ausgangslage
Spätestens seit den 90er Jahren werden verschiedene
Strategien für ein nachhaltiges Wirtschaften ernstzunehmend diskutiert.
Angefangen bei Effizienzstrategien für ein ressourcenschonendes Produzieren,
z.B. in Form von produkt- und produktionsintegriertem Umweltschutz und
Ecodesign bis hin zu Strategien zur Lebensdauerverlängerung von Produkten
durch Wieder- und Weiterverwendung, Gemeinschaftsnutzung und dem Ersatz
von Produkten durch Dienstleistungen als abfallvermeidendes Konsumverhalten.
Für den Ersatz von Produkten (Gütern) durch Dienstleistungen/Nutzungsrechte
(Öko-Rent / Öko-Leasing) liegt der entscheidende Schritt im
Wechsel vom klassischen Wirtschaften, dessen Erfolg auf dem Eigentumsübergang
von Produkten basiert, hin zum dienstleistungsorientierten Wirtschaften,
dessen Erfolg auf dem effizienten Einsatz (Herstellung, Anwendung, Wiederverwertung)
von Produkten beruht.
Auf diesem Ansatz basiert das Chemikalienleasing. Der
Begriff steht für ein dienstleistungsorientiertes Geschäftsmodell
mit dem Ziel, Chemikalien nicht mehr mengenorientiert zu verkaufen, sondern
zum Gebrauch für eine Dienstleistung zur Verfügung zu stellen.
So orientiert sich der Preis zum Beispiel für die Dienstleistung
einer Lösemittel-Entfettung an der Fläche der gereinigten Oberfläche
und nicht mehr an der Menge verkauften Lösemittels. Es ist somit
ein Bestandteil des Chemikalienleasings, den Chemikalieneinsatz zu minimieren,
um Kosten und damit auch Ressourcen zu sparen. Der Hersteller der Chemikalie
wird im neuen Geschäftsmodell zum Dienstleistungsunternehmen, das
das Know-how zur Anwendung seiner Chemikalie zu seinem eigenen Geschäft
macht und je nach Leasing-Modell auch die Verantwortung für die Chemikaliensicherheit
(Arbeitsschutz, Umweltschutz) übernimmt. Mit diesem Geschäftsmodell
werden die Nutzen zum Schutz der Umwelt, der menschlichen Gesundheit am
Arbeitsplatz und der Verbraucher mit den ökonomischen Nutzen gekoppelt.
Eine Untersuchung des Österreichischen Lebensministeriums
aus dem Jahre 2002 kam zu dem Ergebnis, dass für Österreich
bei vollständiger Umsetzung des Modells in allen geeigneten Bereichen
53.000 Tonnen Chemikalien samt der mit Ihnen verbundenen Emissionen und
Abfälle jährlich eingespart werden könnten. Dies entspricht
einem Drittel der Gesamtmenge eingesetzter Chemikalien in Österreich.
In einer anderen umfassenden Studie untersuchten des
IVAM Research and Consultancy on Sustainability of the University of Amsterdam,
die University of Valencia und das Öko-Institut im Auftrag des Institute
for Prospective Technological Studies (ipts - jrc) "Chemical Product
Services in the European Union". Ziel der Studie war es, den Begriff
der Chemical Product Services (CPS) zu definieren. Die Marktanalyse der
Studie ergab, dass CPS für Chemikalien in einem Umsatzwert von 77
Milliarden Euro möglich wären. Das entspräche ca. 14% der
europäischen Chemikalienumsätze. Es wurde in einer Umfrage unter
relevanten EU Verbänden ein Fragebogen verteilt, um Einsicht in die
folgenden Themen von CPS zu erhalten:
- Industrieller Markt von CPS bereitgestellt durch die Chemischen Zulieferer,
- Effekte des CPS auf die Umweltperformance und die Wettbewerbsfähigkeit
des chemischen Zulieferer Sektors und des industriellen Anwendersektors
und
- Die Zukunft von CPS
Danach sind 5-30% Chemikalienreduktion bei Anwendung
von CPS möglich, je nach Art und Anwendung der Chemikalie. Nach Auskunft
der Industrievertreter werden der Studie zufolge CPS primär durch
den Markt beeinflusst, aber in einigen Fällen auch stark durch Umweltgesetzgebung.
Eine der genannten Maßnahmen zur Förderung von CPS ist daher
auch die Erweiterung von Gesetzen, die die Industrie mehr in die Verantwortung
für die Sicherheit ihrer Produkte bringen (z.B. REACH).
Bisher sind verschiedene Anwendungsbereiche für
das Chemikalienleasing-Modell erprobt worden, so zum Beispiel die Metallbearbeitung
(Anwendung: Reinigen/Entfetten, Beizen, Gießen, Kühlen/Schmieren),
chemische Synthese (Anwendung: Katalyse), Nahrungsmittelindustrie (Anwendung:
Extraktion, Wasseraufbereitung) und dem Handel (Anwendung: Kühlen
von Gütern). Dabei handelte es sich neben Projekten in Österreich
und Deutschland um Pilotprojekte, die von der Organisation für Indsutrieentwicklung
der Vereinten Nationen (United Nations Industrial Development Organization
- UNIDO) in Zusammenarbeit mit dem Österreichsichen Lebensministerium
in Mexiko, Ägypten und Russland initiiert wurden, um Chemikalienleasing
in Schwellenländern zu erproben und zu fördern.
Eine Kritik am Chemikalienleasing ist, dass auch unerwünschte
Chemikalien, die gesundheits- und umweltschädlich sind, zum Einsatz
kommen könnten. Damit wäre der Ökologische und gesundheitliche
Nutzen des Geschäftsmodells zumindest eingeschränkt, wenn nicht
sogar umgekehrt. Um Effekten in dieser Richtung entgegenzuwirken, diskutiert
eine Internationle Arbeitsgruppe zum Chemikalienleasing (Internationel
Working Group on Chemical Leasing) über Qualitätskriterien und
wie man dies in der Praxis anwenden kann.
Es ist davon auszugehen, dass es bereits Institution(en)
im privatwirtschaftlichen Bereich gibt, die Zertifizierungskonzepte für
Chemikalienleasing in Anlehnung an ISO 9000 und 14000 anbieten, ggf. gibt
es Projekte bei denen Zertifizierungskonzepte bereits erprobt werden.
Als Ziel solcher Zertifizierungen soll die Vertrauenswürdigkeit der
Leasingpartner untereinander gestärkt und das Chemikalienleasing
als wirtschaftliches Instrument der nachhaltigen Chemie geschützt
werden.
Zielsetzung
Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Qualitätskriterien
für Chemikalienleasing mit dem Schwerpunkt Gesundheits- und Umweltschutz.
Als Ergebnis sind konkrete und praktikable Kriterien vorzulegen und Vorschläge
für deren Anwendbarkeit und Verankerung in Chemikalienleasing Geschäftsmodellen
zu unterbreiten. Die Ergebnisse sollen in der internationalen Working
Group zum Chemikalienleasing präsentiert und dort in die internationale
Diskussion eingebracht werden.
Es sollen folgende Arbeitsschritte durchgeführt werden: